Press Coverage

Vom Nachhaltig­keits­ziel zur Wirkung in der Real­wirtschaft

September 22, 2026

Nachhaltigkeit wird zunehmend neu eingeordnet. Entscheidend ist heute, wie Lösungen finanziert, skaliert und in der Realwirtschaft umgesetzt werden können.

von Karen Hitschke und Johannes Pokorny | ein Gastbeitrag in Sustainable Switzerland, NZZ*

Die Nachhaltigkeitsdebatte tritt in eine Phase der Neujustierung. Die Märkte bleiben volatil, geopolitische Spannungen verschieben Prioritäten, und die Regulierung entwickelt sich je nach Land und Region unterschiedlich. Was wir in der Wirtschaft beobachten, ist jedoch kein grossflächiger Rückzug von Nachhaltigkeitsbestrebungen, sondern ein Wandel darin, wie sie verstanden und umgesetzt wird.

Diese Entwicklung zeigte sich in diesem Jahr bei mehr als 270 Veranstaltungen mit über 16 000 Teilnehmenden im Rahmen der Climate Week Zurich ebenso wie im ganzjährigen Engagement von Building Bridges in der Schweiz und international.

Neujustierung statt Rückzug

In Unternehmen wird Nachhaltigkeit zunehmend nicht mehr als eigenständige Agenda betrachtet, sondern als Teil umfassenderer Fragen rund um Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Wertschöpfung. Ob es um Energiesicherheit, widerstandsfähige Lieferketten, naturbezogene Risiken oder Investitionen in Infrastruktur geht: Unternehmen richten ihren Blick stärker auf die konkreten Auswirkungen für ihr Geschäft, ihre Portfolios und ihre Kunden.

Die Sprache mag sich verändert haben, die grundlegenden Treiber jedoch nicht. Nachhaltigkeitsaspekte prägen immer stärker, wie Unternehmen Risiken steuern, Werte schaffen und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Von Ambitionen zur Umsetzung

Der Fokus richtet sich zunehmend darauf, wie Lösungen in der Realwirtschaft finanziert, eingesetzt und skaliert werden können. Gespräche, die früher vor allem um Verpflichtungen und Zielsetzungen kreisten, drehen sich heute stärker um die Umsetzung: Wie lässt sich Kapital mobilisieren? Wie können Risiken reduziert werden? Und wie gelingt es, erprobte Lösungen aus Pilotprojekten in den breiten Markt zu überführen?

Zu den ermutigendsten Beispielen gehören Initiativen, die Akteure zusammenbringen, die traditionell kaum miteinander arbeiten würden. Klimaanpassung, Naturfinanzierung und Resilienz verbinden zunehmend Investoren, Unternehmen, Versicherer, politische Entscheidungsträger und Lösungsanbieter.

Die Herausforderung besteht heute nicht mehr allein darin, neue Ideen hervorzubringen. Entscheidend ist vielmehr, mittlerweile bewährten Ansätzen Zugang zu Kapital zu verschaffen und ihnen den Weg in den breiteren Markt zu ebnen.

Der Fokus liegt damit darauf, erfolgreiche Klimalösungen aus der Nische herauszuführen und die Voraussetzungen für eine breitere Marktdurchdringung zu schaffen.

Was macht eine Lösung investierbar?

Investoren achten längst über rein visionäre Ideen hinaus . Ob eine Klimalösung investierbar ist, hängt von der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells, einem klaren Risiko-Rendite-Profil, messbaren Ergebnissen und einem glaubwürdigen Weg zur kommerziellen Anwendung ab.

Im aktuellen Kontext sind die Erwartungen an finanzielle Renditen wichtiger geworden. Gleichzeitig lenken häufigere Extremwetterereignisse die Aufmerksamkeit verstärkt auf Investitionen in die Klimaanpassung – etwa in Energieinfrastruktur, Wassermanagement oder naturbasierte Lösungen.

Ein Ökosystem, viele Plattformen

Vor diesem Hintergrund verändert sich auch die Rolle von Community-Plattformen und -Konferenzen wie Building Bridges und Climate Week Zurich. Sie können die Voraussetzungen für Zusammenarbeit schaffen, indem sie Institutionen und Branchen miteinander verbinden, die gemeinsam handeln müssen.

Fortschritt entsteht dort, wo Investoren mit Projektentwicklern, politische Entscheidungsträger mit Führungskräften aus der Wirtschaft und Innovatoren mit etablierten Industrien zusammenkommen.

Entscheidungen in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen sind wichtig. Ebenso entscheidend sind jedoch jene Menschen innerhalb von Organisationen, die für die konkrete Umsetzung verantwortlich sind: Sie müssen Zielkonflikte abwägen, wirtschaftliche Ergebnisse erzielen und Innovationen entwickeln.

Genf und Zürich bringen dabei komplementäre Stärken ein. Genf verbindet private Vermögen mit Diplomatie und multilateralen Institutionen. Zürich vereint Finanzdienstleistungen, multinationale Industrie, Wissenschaft, Unternehmertum und Innovation.

Eine engere Verbindung der beiden Ökosysteme kann die Zusammenarbeit zwischen jenen stärken, die Lösungen entwickeln, sie finanzieren und schliesslich umsetzen.

Keine einzelne Veranstaltung kann allein genügend Kapital mobilisieren oder finanzielle Anreize grundlegend verändern. Plattformen wie Building Bridges, dessen siebte Ausgabe vom 6. bis 8. Oktober stattfindet, die Climate Week Zurich vom 10. bis 15. Mai 2027 sowie das Sustainable Switzerland Forum am 21. Oktober können jedoch jene Entscheidungsträgerinnen, Entscheidungsträger und Praktiker zusammenbringen, die notwendig sind, um die Umsetzung zu beschleunigen.

Erfolg misst sich an den Ergebnissen

Letztlich wird sich Erfolg nicht an der Zahl der organisierten Veranstaltungen messen lassen, sondern an den Kooperationen, Investitionen und Projekten, die daraus entstehen – und daran, ob Kapital tatsächlich jene Lösungen erreicht, die in der Realwirtschaft messbare Wirkung erzielen.

Die Herausforderungen bleiben beträchtlich. Doch in der Schweiz wird die Nachhaltigkeitsdebatte zunehmend pragmatischer: weniger geprägt von Erklärungen und Absichtserklärungen, stärker von Umsetzung, Partnerschaften und langfristiger Wertschöpfung.

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*Über die Autoren:

Karen Hitschke ist CEO der Building Bridges Foundation. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Brücken zwischen öffentlichen und privaten Akteuren zu bauen und damit die globale Agenda für nachhaltige Finanzierungen mitzugestalten.‍

Johannes Pokorny ist Managing Director der Climate Week Zurich, Europas führender Umsetzungsplattform für transformative Klimalösungen.

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Erschienen am 22. September 2026 auf nzz.ch: Von Nachhaltigkeitsziel zur Wirkung in der Realwirtschaft | Sustainable Switzerland